Sommerschur bei Hunden - Segen oder Fluch?

Viele Hundebesitzer fragen sich jedes Jahr zur warmen Jahreszeit ob sie Ihren Vierbeiner scheren sollen um ihn so die heißen Sommertage angenehmer erleben zu lassen. Nun, dieser Thematik wollen wir heute nachgehen und werden versuchen diese Streitfrage zu klären.

Zuerst muß man wissen wie Hundehaar aufgebaut ist um den weiteren Zusammenhang zu verstehen. Haut und Haar bilden das Fell eines Hundes. Es schützt ihn vor äußeren Einflüssen (Sonne, Kälte, Schmutz, Nässe, usw.) und ist für die Temperatur- und Immunregulation und die Sinneswahrnehmung zuständig.

Welche Funktion haben Hundehaare?
Bei den meisten Rassen besteht das Haar aus zwei Schichten, dem Deckhaar und der Unterwolle. Das Deckhaar, auch Grannenhaar, ist in seiner Struktur länger und fester und dient zum Schutz gegen äußere Einflüsse, wie Sonne, Wind, Wasser, mechanische Einwirkungen beim Spiel, im Kampf oder beim Streifen durchs Gelände. Die Unterwolle ist in ihrer Struktur weich und kürzer. Sie sitzt dicht an der Haut und schützt diese ergänzend, insbesondere gegen Kälte. Beide Schichten wechseln zyklisch, das heißt, die Haare fallen in bestimmten Abständen aus und erneuern sich. Sie bilden im Zusammenspiel eine optimale Isolierschicht gegen Wärme und Kälte.

Welche Funktion hat die Hundehaut?
Hundehaut ist deutlich anders aufgebaut als Menschenhaut. Beispielsweise besitzt sie in den meisten Körperregionen keine Schweißdrüsen, hat einen basischen pH-Wert und dadurch eine andere Hautflora als Menschen. Die Hundehaut ist zu dem dünner. Sie besteht im groben aus drei Schichten, die für die Abwehr von Mikroorganismen, wie Pilze, Bakterien und Viren zuständig sind, die Allergien und Infekte im Körper hervorrufen können. Die Haut sorgt dafür, dass der Körper keine lebenswichtigen Elemente, wie z.B. Wasser verliert, fungiert als Austauschorgan für Sexuallockstoffe und scheidet Giftstoffe aus, die in den Körper gelangt sind. Sie sorgt mit ihren Talgdrüsen für ein gesundes Hautmilieu, und ermöglicht mit den Haarbalgmuskeln das Aufstellen der Haare als weitere Schutzfunktion.

Was passiert, wenn das Fell geschoren wird?
Die Schur führt immer dazu, dass ein Fell mit den wichtigen Haarschichten bis auf wenige Millimeter gekürzt wird. Das Deckhaar wird in der Regel komplett zerstört und verliert somit seine Schutzfunktion für die empfindliche Haut mit ihren wichtigen Funktionen. Die Unterwolle kann diese Funktion alleine nicht erfüllen und saugt sich bei Nässe nur voll und bleibt klamm. Auf der Haut staut sich Feuchtigkeit, die einen Nährboden für Parasiten und Hautkrankheiten bildet.

Die Thermoregulation gerät nach einer Schur aus den Fugen. Zudem wirkt sich die Schur auch schädlich auf die empfindliche Hundehaut aus, da aggressive Sonnenstrahlen zu Hautschädigungen führen können.

Zudem haben Wärmebildkameras die Hitzeentwicklung am Hundekörper aufgezeichnet und die Tests haben einen Temperaturunterschied von bis zu 6°C ergeben, dabei waren die geschorenen Partien um bis zu 6°C heißer als die ungeschorenen.

Bei Hunden mit dichter Unterwolle kann die Schur zu einer "Post Clipping Alopecia" (bleibende kahle Stellen) führen, die den Nachwuchs des Haares komplett unterbindet, da sich der Haarfollikel durch Abscheren des abgestorbenen Haares - anstatt es heraus zu bürsten, bzw. zu trimmen - nicht erneuert.

Nicht selten kann man eine Strukturveränderung des Fells beobachten, die zum einen dazu führt, dass sich Büschelwuchs bildet, Unterwolle somit das glänzende, schützende Deckhaar verdrängt und der Hund verwollt, wie zum Beispiel bei Golden Retrievern. Außerdem verändert sich das seidige Fell zu strohigen Locken, insbesondere bei langhaarigen Hunden, deren Unterwolle in der Länge mitwächst, wie zum Beispiel bei Havanesern. Das Fell verliert dadurch auch an Farbe.

Welche Gefahren birgt die Sommerschur?

  • erhöhtes Risiko für einen Hitzschlag
  • erhöhtes Risiko eines Sonnenbrandes
  • die Haut ist anfälliger gegen Parasiten
  • kann zu einer "Post Clipping Alopecia" führen, die den Nachwuchs des Haares komplett unterbindet
  • oft wächst die Unterwolle stärker und dichter nach und verfilzt dann schneller
  • kann zu vermehrtem Kratzen und Hotspots führen


Welche Alternativen gibt es zur Schur und wie kann man extremen Temperaturen entgegenwirken?
Man sollte das Fell natürlich erhalten denn die natürliche Behaarung eines Hundes erfüllt optimal alle Funktionen zur Gesunderhaltung der Schutzfunktion der Haut. Sie sollten das Fell regelmäßig bürsten und pflegen, so lässt sich tote Wolle entfernen und Luft gelangt an die Haut.

Außerdem gibt es verschiedene "coole" Alternativen im Zubehörbereich, wie z.B. Kühlmäntel, Kühlbandanas, Liegeplätze mit speziellem Kühleffekt, Hundepools, Spielbrunnen, uvm., welche dem Hund die Sommermonate versüßen.

Man kann also festhalten, dass man Hunde (bis auf einige rassespezifische Ausnahmen) im Sommer nicht scheren sollte, um so ihr Fell als natürlichen Schutzmechanismus zu erhalten und die gesunde Regulierung der Temperatur zu gewährleisten.

Unter Beachtung der Komplexität der Natur und des menschlichen Halbwissens, sollten wir nicht immer versuchen in die Natur einzugreifen und in die Rolle des Herrschers über Gut und Böse oder richtig und falsch zu schlüpfen.

Denken Sie immer daran: Die Natur weiß den Weg…


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